Katharina Andress, 1984 in München geboren, absolvierte nach einer Berufsausbildung zur Holzbildhauerin ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München
bei Prof. Hermann Pitz. In ihren Arbeiten untersucht Andress die Frage nach dem Zukunftskörper des Menschen und entwickelt eine Vision, wie dieser aussehen und mit welchen Attributen er ausgestattet sein könnte. Die technoid anmutenden Figuren scheinen das gegenwärtige menschliche Entwicklungsstadium bereits hinter sich gelassen zu haben und strahlen Ruhe und Erhabenheit
aus. Schutzkleidung und Maskierung, Themen welche in jüngster Zeit stark an Bedeutung gewonnen haben, spiegeln sich ihren Arbeiten ebenso wider wie ihr Interesse an den Skulpturen der
Renaissance und des Barock.
Andress Arbeiten sind aus Lindenholz geschnitzt und in der historischen Technik der Fassmalerei weiß gefasst - Futurismus trifft hier auf traditionelles Handwerk und in einem spannungsvollen
Kontrast vereint sie Gestern und Morgen.
Die Bildhauerin fasst ihre „Andreonauten“ mit einer jahrhundertealten Technik, die aus dem Rokoko kommt. Damals wollten die Bildhauer*innen ihre Figuren verfremden oder ein wertigeres Material vortäuschen. Andress erklärt ihre Motivation so: „Ich wollte daraus etwas Technoides schaffen, eine fast schon kunststoffartige Oberfläche, ohne dass es Kunststoff sein sollte.“ Die Arbeitsmethode ist enorm aufwändig: „Die Fassung ist nicht besonders dick, etwa drei Millimeter. Das heißt, alles was man sieht, ist geschnitzt. Die Figur muss entsprechend vorbereitet sein – ich raspele und schleife sie, sodass keine Schnitzspuren mehr zu sehen sind. Dann setze ich einen Kreidegrund nach alten Rezepturen an und vermische Bologneser und Champagner Kreide mit einem Hasenleim-Wasser-Gemisch. Der Hasenleim ist ein historischer Leim aus Hasenhäuten und Hasenknochen. Mittlerweile gibt es moderne Alternativen, aber früher war das der gängige Leim. Das Ganze hat dann eine sahnige Konsistenz. Weil die Masse warm sein muss – aber nicht zu heiß und nicht zu kalt sein darf – ist bei diesem Arbeitsschritt Konzentration angesagt. Passt die Temperatur, werden ungefähr 15 Schichten mit einem Pinsel aufgetragen. Dazwischen schleife ich immer mal wieder, damit es wirklich glatt wird. Ganz zum Schluss poliere ich die Figur mit einem Achat-Stein. Dadurch verdichtet sich die Oberfläche, dass es fast wie Porzellan oder Marmor wirkt.“
Auf den ersten Blick wirken die Figuren somit gar nicht wie aus Holz geschnitzt. Umso wichtiger ist es der Künstlerin daher, das Gesicht deutlich als Holz erkennbar zu lassen. „Wenn die Figur komplett weiß wäre, würde man ganz schnell an Kunststoffguss denken.“
Etwa zwei Monate benötigt Katharina Andress für die Herstellung eine Figur, bei filigraneren Arbeiten auch länger. Die Entwurfsphase beginnt sie immer mit einem kleinen Modell. „Das ist für mich eine Art Ideensuche, aber gleichzeitig auch eine eigenständige Arbeit. Daraus entsteht meistens eine Serie von circa zehn kleinen Figuren. Im Anschluss suche ich mir fünf aus und vergrößere sie. Diese dann zu schnitzen und zu fassen, dauert mehrere Wochen und Monate.“
(C) Die Fotos der neuen, graphitgefassten Serie von Katharina Andress stammen von der Fotografin Julia Milberger.
STATIONEN
- 1984 geboren in München
- 2005-2008 Ausbildung zur Holzbildhauerin, Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen
- 2012-17 Atelier für Kleinskulptur in Schondorf am Ammersee
- 2015-20 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Hermann Pitz
- 2020 Diplom, Thema: „Andreonauten“
- seit 2021 vertreten in der Galerie Kunststücke
AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
2025
- Ist das schön? Bayerischer Kunstgewerbeverein München
- Anders – Gleich, Studio Rose Schondorf
- Winterwerft, Robbe & Berking Museum Flensburg
2024
- Metallophone, 2024 Museum of Applied Arts and Design Vilnius, Litauen
- Münchner Meisterklasse XII, Kunstforum Münchner Bank München
- Art Karlsruhe mit Yvonne Hohner Contemporary
- „Anton Bruckner – von Marmor bis Mythos“, Anton-Bruckner-Museum Ansfelden, Österreich
- MK&G Messe, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
2023
- Art Karlsruhe mit Yvonne Hohner Contemporary
- Kunst aktuell, Städtische Galerie Rosenheim
- Archaeoptermix, Bayerischer Kunstgewerbeverein München
- Dancing Insane, GalerieRaum Kunzt 66 München
2022
- Half pound of art, Størpunkt München
- Europäischer Gestaltungspreis, 2022 Regierungspräsidium Karlsruhe, Schloss Rochsburg Chemnitz, Landesvertretung Baden-Württemberg Brüssel
- MK&G Messe, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
- Welt Raum Paradies, Galerie Kunststücke München
- Die Winterreise, Galerie Handwerk München
2021
- OSTRALE Biennale 021 für zeitgenössische Kunst Dresden
- HI/A Festival für Kunst & Forschung Bayern, Deutsches Museum München
- „DER WEIHNACHTSVOGEL“ Galerie Handwerk München
2020
- „HALF A POUND OF ART“ Størpunkt München
- „Es kommt ein Schiff, geladen“ Galerie Handwerk München
- „FASHION FOR OUTER SPACE“ Kunstraum Wiede – Fabrik München
- DIPLOMAUSSTELLUNG Akademie der Bildenden Künste München
2019
- „Karl & Faber Preis der Stiftung Kunstakademie München“, Karl & Faber Kunstauktionen München
- „MOON RAVE“ Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München
- „DAS KLEINE FORMAT“ Kulturforum Dießen
- “ WEGE“ Werdenfelsmuseum Garmisch Partenkirchen
2018
- „BIENENGOLD“ Galerie Handwerk München
- JAHRESAUSSTELLUNG der Klasse Pitz Akademie der Bildenden Künste München
2017
- „BOXENSTOP“ Staatliche Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne München
- JAHRESAUSSTELLUNG der Klasse Pitz, Akademie der Bildenden Künste München
2016
- „VERGANGENHEIT HEUTE“ Haus des Deutschen Ostens München
AUSZEICHNUNGEN & FÖRDERUNGEN
- Finalistin „Dannerpreis 2014“ Schloss Johannisburg Aschaffenburg
- 2014 Kulturförderpreis der Stadt Landsberg am Lech
- 2019 Jurypreis „Das Kleine Format“ Dießen am Ammersee
- Finalistin „Karl & Faber Preis der Stiftung Kunstakademie“, Karl & Faber Kunstauktionen München 2019
- 2020/2021 Bayerisches Atelierförderprogramm
- 2022 Finalistin „NEUGIERIG AUF MORGEN“ Europäischer Gestaltungspreis für Holzbildhauer*innen (Werke derzeit ausgestellt in Schloss Rochsburg bei Chemnitz, ab 26.8.2022 in Brüssel)
ANKÄUFE IN SAMMLUNGEN
- WTS Kunstsammlung München
- Kunstsammlung Münchner Bank
- Anton-Bruckner-Museum Ansfelden
- Marktgemeinde Dießen am Ammersee
AKTUELLE ARBEITEN